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Geschichtliche Entwicklung des Ortes Gleiberg
Über die Entstehungsgeschichte des Ortes Gleiberg können lediglich Vermutungen angestellt werden, da genaue Aufzeichnungen – soweit sie vorhanden waren – im Jahre 1648, während einer Belagerung im 30ig- jährigen Krieg, einem Brand in der Oberburg zum Opfer fielen.
Aus "Burg Gleiberg - Ein Führer für Fremde" 1888
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Vermutlich wurden zu Beginn des 10. Jahrhunderts n. Chr. eine erste Befestigungs-anlage auf dem steilen Basaltkegel errichtet. Im 13. Jahrhundert wurde diese Anlage erweitert und unter der Herrschaft der Nassauer Grafen (ab 1333) weiter vergrößert.
Die Anlage der Burgsiedlung Gleiberg zur Unterbringung und Ansiedlung von Bediensteten, Knechten, Burgmannen und Reisigen (berittene Söldner) erfolgte zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert auf dem Nord-Ost-Hang des Bergkegels direkt unterhalb der Burg. Davon zeugen noch heute erhaltene Burgmannenhäuser des Ortes, so z.B. Steindecker´s Haus (Torstraße 8 und Unter Burg 8).
Trotz dieser Privilegien und weiterer Vergünstigungen, konnte sich die Siedlung Gleiberg nicht zu einer Stadt entwickeln. Die für damalige militärische Zwecke hervorragende Lage der Burg und Siedlung war für friedliche Intentionen geradezu hinderlich.
Durch die abseitige Lage zu großen Handelsstraßen war nur wenig, bzw. kein Handel möglich;
Acherbau und Viehzucht boten aufgrund der topographischen Lage nur begrenzte Möglichkeiten;
die in die Stadtmauern eingezwängte Siedlung verhinderte aufgund der baulichen Gegebenheiten eine Entfaltung größeren wirtschaftlichen Lebens;
der beschwerliche Weg für die Bewohner der umliegenden Ortschaften zum Wochenmarkt führte gegen Ende des 17. Jahrhunderts zur Auflösung bzw. zur Umwandlung des Wochenmarktes in einen Jahrmarkt.
Gegen Ende des mittelalters (ab Mitte des 17. Jahrhunderts) verlor die Burg strategische Bedeutung, sowie ihre Schutzfunktion gemäß dem Entwicklungsstand der Waffen-technik. Dadurch wurde auch die Notwendigkeit der Unterbringung von Burgmannen, Knechten und Reisigen hinfällig. Eine andere Beschäftigung der Bewohner war aus o.a. Gründen nur bedingt möglich, so das viele Einwohner in benachbarte Orte, vor allem noch Krofdorf, abwanderten. Bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts versuchten die Grafen von Nassau die beginnende Abwanderung zu verhindern, indem sie:
ein hohes Abzugsgeld forderten,
und von den Abwanderungswilligen einen Hofnachfolger verlangten.
Aber auch schwerre Feuersbrünste, die den Ort im 18. Jahrhundert (1721 und 1729) heimsuchten, trugen zum Bevölkerungsrückgang bei, bzw. zur Abwanderung bei.
Johann Jost Leib als Gerichts-Schöf
Johann Georg Leib Gerichts-Schöpf
Forst-Archiv zur Erweiterung der Forst- und Jagd-Wissenschaft und der Forst- und Jagd- Literatur, Band 14, 1793, Seite 124
Dieser Bevölkerungsrückgang bis zum des 18. Jahrhunderts ist in der nachfolgenden Tabelle dokumentiert:
Bevökerungsentwicklung von Krofdorf und Gleiberg
| Jahr | Gleiberg | Krofdorf | Gesamt |
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1542 1583 1592 1629 1662 1730 1747 1816 1834 1840 1858 1861 1864 1867 1875 1880 1885 1895 1906 1907 1939 1950 1961 1967 1970 |
416 378 335 290 249 191 196 286 334 342 390 369 380 375 392 395 402 403 437 411 …… …… …… 415 422 |
121 134 183 255 336 350 358 725 838 920 1161 1206 1269 1275 1355 1394 1398 1496 1652 1717 …….. …….. …….. 3789 3947 |
537 512 518 545 585 541 554 1011 1172 1262 1551 1575 1649 1650 1747 1789 1800 1899 2089 2128 2534 3491 3806 4204 4369 |
Quelle:
1. Leib, Jürgen: Krofdorf –Gleiberg zwischen Tradition und Fortschritt, Heimatbuch zur 1200 Jahrfeier der Gemeide Krofdorf-Gleiberg, Gießen 1974, S. 83-201.
2. Tabelle zur Bevölkerungsentwicklung der „ Burgsiedlung Gleiberg“ von 1572 – 1970 (im Vergleich dazu der landwirtschaftlich orientierte Ort Krofdorf. Aus der Festschrift zur 1200 Jahrfeier vom 23. – 26. August 1974, S. 29, Herg.: Gemeinde Krofdorf – Gleiberg, Krofdorf, 1974.
| Unter der Burg 8, 1930 | Torstraße 8, 1930 |
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Im Jahr 1331 erhielt der Ort Gleiberg Stadtrechte und das Privileg eines Wochenmarktes. In diese Zeit fällt auch der Bau der "Stadtmauer" mit ihren Toren und Wachtürmen, die zum größten Teil heute noch erhalten sind.

